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Zu Tisch auf 2000 Meter

Herrliche Aussicht, frische Luft und ein köstliches Frühstück. Das alles gibt es auf der Alp Bryscheru im Wallis auf 2000 Meter ü.M. zu bestaunen. Die fleissigen Gastgeber Kathrin und Pius feiern dieses Jahr ihr 10-jähriges Brunch-Jubiläum. Mit grosser Leidenschaft servieren sie ihren hausgemachten Alpkäse und andere selbstgemachte Köstlichkeiten.

Schon als kleiner Bube half Pius Schnydrig auf dem Betrieb seiner Eltern mit. Am Morgen melkte er im Stall die Kühe. Mit der Milchkanne auf dem Rücken lief er den Weg Richtung Tal. Die Milch brachte er in die örtliche Käserei, dann drückte er die Schulbank, bevor es wieder nach Hause auf den Hof ging. „Auf dem Hof aufzuwachsen war sehr schön,“ sagt Pius. So kam es, dass er den Hof von seinen Eltern übernahm. Kathrin kam in den 90-er Jahren aus dem Appenzell ins Wallis und arbeitete in der örtlichen Käserei. Als diese 1999 schliessen musste, sahen die Schnydrigs ihre Chance: Sie richteten kurzerhand eine eigene Käserei ein und produzieren seither ihren eigenen Käse.

Winter, Frühling, Sommer
Die Familie Schnydrig führt einen sogenannten Drei-Stufen-Betrieb. Im Winter leben sie in der Roosse, gleich oberhalb des Dorfes Mund. Im Frühling geht es auf die Voralp Wägscheitu auf 1600 Meter. Wenn der Sommer kommt, zieht Kathrin mit den Tieren auf die eigentliche Alp. Auch dort spielt die Käseherstellung eine wichtige Rolle. In ihre Produkte steckt die Familie viel Herzblut. Allerdings gibt es auf der Alp mehr zu tun als, nur zu käsen: „Züne, umzüne, zuezüne, die Tiere geben viel Arbeit.“ Doch die Familie ist mit grosser Leidenschaft dabei: „Wir haben grosse Freude an unserem Älpli“, schwärmt Kathrin.

Hand in Hand
Mit Elan organisiert die Familie Schnydrig jeweils den 1. August-Brunch. Auf der Alp Bryscheru auf 2000 Meter ü.M. leisten die Schnydrigs Unglaubliches, denn das ganze Material kommt aus dem Tal. „Wir müssen schon eine Woche vorher mit den Vorbereitungen anfangen.“ Festbänke, Geschirr, Brot und natürlich Käse, alles will vorbereitet sein. Organisation ist dabei wichtig, denn der Alpbetrieb steht daneben nicht still. Die ganze Familie arbeitet eine Woche lang Hand in Hand. Die Kinder basteln Blumengestecke, Festbänke werden aufgestellt. Jeder weiss genau, was er zu tun hat. Kathrin ist für die Verpflegung zuständig, macht Birchermüsli oder schöne Käse- und Fleischplatten: „Am Brunch kann ich auch mal etwas ausprobieren, zum Beispiel einen feinen Frischkäse.“ So haben auch die Gäste immer etwas neues Selbstgemachtes zum Probieren.

Platz nehmen
Die Gäste kommen zu Fuss zum Brunch. „Wir stellen jeweils eine grosse Kanne Most bereit, denn die Leute haben Durst, wenn sie bei uns eintreffen,“ lacht Pius. Zwei Stunden dauert die Wanderung auf die Alp. Dann heisst es Platz nehmen und geniessen. Nicht nur das feine Essen, sondern auch die Aussicht. Bei schönem Wetter sieht man sogar in der Ferne das Matterhorn. Serviert bekommen die Gäste natürlich die eigenen Produkte. Nur Roggenbrot und Früchte kommen von anderen Betrieben aus der Region. Walliser Qualität wird hier gross geschrieben. Das Feuer knistert, auf dem Herd kocht Kaffee und Tee. Käseplatten werden serviert, Geschirr weggeräumt, alles muss jetzt funktionieren. Während des Essens gibt es musikalische Unterhaltung: Schwizerörgeli, Alphorn oder ein Jodel. „Wir bieten etwas Besonderes“, meint Kathrin. Als Gastgeber sind Kathrin und Pius sehr interessiert an ihren Gästen. Viele geniessen seit Jahren den 1.August-Brunch bei Schnydrigs. Es tauchen aber auch immer wieder neue Gesichter auf, was es abwechslungsreich und spannend mache. Als Abschluss lohnt sich ein Besuch in der Alpkapelle, denn dort wird speziell für die Gäste eine Messe organisiert. Nun haben Kathrin und Pius Zeit zum Ab- und Aufräumen. Alles Geschirr wird von Hand abgewaschen, die Bänke wieder zusammengeklappt und zurück ins Tal transportiert. Allfällige Reste essen die fleissigen Helferinnen und Helfer nach ihrem anstrengenden, aber erfolgreichen Einsatz.

Ein Erlebnis bieten
Zum zehnten Mal organisieren Kathrin und Pius 2019 den Brunch. Rund 100 Personen haben am Nationalfeiertag auf dem Älpli Platz. Es kommen junge Leute auf die Alp, aber auch Familien und Grosseltern mit den Enkeln. „Die Kinder sind immer sehr interessiert an unserem Tun und stellen viele Fragen.“ Besonders der „Chäschäller“ fasziniert. Viele kenne diese Arbeit nicht und Schnydrigs lassen sie gerne hinter die Kulissen blicken. „Für uns ist es ein erfolgreicher Brunch, wenn die Leute zufrieden sind,“ meint Kathrin. „Das Wetter muss natürlich auch stimmen.“ Den Brunch verbinden viele mit einem Ausflug, denn das Wandergebiet ist unglaublich schön. Auch Kathrin und Pius sind viel unterwegs und wandern beispielsweise den bekannten Suonen entlang. Die alten Kanäle leiten bis heute Wasser nach Mund. „Das Gebiet hier ist so schön, man ist wie in einer anderen Welt,“ schwärmt Kathrin.

Gemeinsam z‘Alp
Kathrin und Pius sind mit grosser Passion am Werk. Dies erkennt man auch an ihren Produkten, die mit ihrer Qualität überzeugen. Bis jetzt haben Kathrin und Pius den Sommer nie gemeinsam auf der Alp verbracht. In Zukunft möchten sie das ändern: Ein gemeinsamer Alpsommer ist ihr Traum. Doch dieses Jahr steht das 10-Jährige 1.August-Brunchjubiläum im Zentrum.