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Wissen, was man isst !

«Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben.» Carlo Petrini, Gründer und internationaler Präsident von Slow Food.

Slow Food ist eine internationale Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass jeder Mensch Zugang zu Nahrung hat, die sein Wohlergehen sowie das der Produzenten und der Umwelt erhält. Die Slow Food Bewegung zählt in der Schweiz derzeit rund 3700 Mitglieder in rund 20 Convivien, also Regionen. Der Verein tritt für die biologische Vielfalt ein, fördert eine nachhaltige, umweltfreundliche Lebensmittelproduktion. Er betreibt Geschmacksbildung und bringt Erzeuger von handwerklich hergestellten Lebensmitteln auf Veranstaltungen und durch Initiativen mit Verbrauchern zusammen. Ein Beispiel der Arbeit von Slow Food ist die «Rettung» der Brunnenkresse im Oberaargau.

Rund 70 % der landesweit verkauften Brunnenkresse werden in Aquakulturen bei Wynau im Kanton Bern produziert. «Die Brunnenkresse ist eine hiesige Spezialität und wurde bereits bei der Gründung des Conviviums Oberaargau ins Zentrum gerückt», erklärt Werner Stirnimann, Präsident des Conviviums. Seit 1905 baut ein Familienbetrieb die Pflanze in heute 28 Becken nahe der Bahn-Neubaustrecke Olten-Bern an. Mathias Motzet entdeckte damals das Potential in einem Gebiet mit einem bedeutenden Grundwasservorkommen. «Die Leute griffen sich an den Kopf, als da einer kam, der mit wilden Pflanzen Geld verdienen wollte», erzählt Ingrid Motzet, verheiratet mit Mathias, Enkel des Gründers.

Die traditionelle Nasskultur braucht keinen Dünger, das Wasser ist in natürlichen Proportionen mit Kalk und Nitrat «gewürzt». Die Brunnenkresse schmeckt von Frühling bis Frühsommer am besten, dann blüht sie und wird, so Ingrid Motzet, fast zwei Monate lang «strauig, gelb und zäh». Als Sauberkeitsindikator wirken Bachflohkrebse.

Autor : Alexandre Fricker

Webseite: slowfood.ch