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Nachhaltigkeit auf dem Holzhof

1893 stellte Otto Wartmann auf dem Holzhof im Thurgauer Weiler Tilsit, Amlikon-Bissegg, den ersten Schweizer Tilsiter her. Der nunmehr in der fünften Generation geführte Betrieb produziert
nach wie vor Käse und setzt auf Nachhaltigkeit und geschlossene Kreisläufe. Ein Hof mit Vorreiterrolle.

Ursprünglich war der Holzhof ein Landwirtschaftsbetrieb, der sich vor allem dem Ackerbau widmete. Danach kamen Milchwirtschaft und Schweinehaltung dazu. Heute wird der Hof von Otto und Claudia Wartmann bewirtschaftet. Zurzeit arbeiten nebst acht Mitarbeitern auch zwei der drei Söhne zuhause mit: Otti (22), Käser und Landwirt, Richard (20), Informatiker, Florian (18), der jüngste, ist noch in Ausbildung.

«Es war der Bruder meines Urgrossvaters, welcher 1893 nach Ostpreussen reiste, um dort in die Tilsiterfabrikation eingeweiht zu werden», erzählt Otto Wartmann. Der Käse hat seinen Namen nämlich vom Städtchen Tilsit an der Memel. Kurioserweise haben ausgerechnet verarmte Schweizer die Kunst des Käsens dorthin und Otto Wartmann später wieder zurück in die Schweiz gebracht. So wurde der Thurgau zum Tilsiterland. Heute werden auf dem Holzhof 60 % Tilsiter und 40 % eigene Käse wie der «Original Holzhofer» in verschiedenen Reifegraden und ein foliengereifter Conveniencekäse hergestellt. Ausserdem leben noch 150 Mutter- und 800 Mastschweine sowie 45 Milchkühe, die auch noch versorgt werden wollen, auf dem Betrieb.

Auf Labelhaltung umgestellt
Wartmanns legen grossen Wert auf Nachhaltigkeit. Die Gülle der Tiere wird beispielsweise in der eigenen Biogasanlage vergärt und so Methangas gewonnen. «Dieses wandeln wir für den Betrieb in Strom und Wärme um», erklärt Otto Wartmann. «Selbst verbrauchen wir nur rund einen Viertel des Stroms, der Rest wird ins öffentliche Netz gespiesen».
1999 stellten Wartmanns bei den Schweinen auf Labelhaltung um, was den Tieren dreimal so viel Platz bescherte als vorher. Sie haben zudem Auslauf ins Freie mit Festboden sowie einen eingestreuten Innenbereich. «Die zunehmende Sensibilisierung der Gesellschaft für Fragen des Tierwohls hat auch uns nicht unberührt gelassen und uns zur Umstellung bewogen», erklärt Wartmann. Auch bei der Fütterung wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Die Tiere werden vor allem mit Nebenprodukten aus der Lebensmittelproduktion wie Schotte aus der Käserei, Kartoffelschälbrei aus einem nahe gelegenen Verarbeitungsbetrieb sowie Weizenstärke gefüttert. Diese Komponenten machen rund 90 % des Futters aus. Im Stall stehen vier Computer, die das Futter zubereiten, dosieren und austeilen. Beispielsweise erhalten Ferkel zwölf bis vierzehn Rationen am Tag, während ein Galtschwein aufgrund des tieferen Nährstoffbedarfs nur zweimal am Tag gefüttert wird. «Wir achten zudem darauf, stickstoff- und phosphorreduziertes Futter einzusetzen, um die Umweltbelastung möglichst klein zu halten. So entstehen geringere Ammoniakemissionen, was auch die Umwelt weniger belastet».
 
Nachhaltigkeit bedeutet Mehraufwand
Sogar das Regenwasser von den Dächern wird gesammelt und von einer grossen Zisterne im Boden aufgefangen. Es wird für die Reinigungsarbeiten wiederverwendet oder bei extremer Trockenheit für die Bewässerung eingesetzt. All diese Massnahmen bedeuten einen nicht unbeträchtlichen Mehraufwand. «Es ist schon eine tägliche Herausforderung», räumt Otto Wartmann ein, «aber der Vorteil an unserem Betrieb ist auch, dass wir die Arbeitskräfte je nach Saison und Arbeitsanfall einsetzen können».

Auf den Lorbeeren des Erreichten ausruhen mögen sich Wartmanns aber nicht. Die nächsten Pläne haben sie bereits in Angriff genommen. «Wir wollen demnächst unsere 20-jährige Biogasanlage erweitern und auf den neusten technischen Stand bringen. Wenn die Umsetzung klappt, läuft die Anlage nachher weitgehend automatisch», freut sich Wartmann. Erst eine Zukunftsidee ist der Ausbau und die Automatisation des Käsekellers. «So könnte die anstrengende Schmierarbeit beispielsweise künftig von einem Roboter erledigt werden». Den Tilsiter vermarkten Wartmanns heute über die «Sortenorganisation Tilsiter», den Original Holzhofer liefern sie selber an Fachgeschäfte aus. Einen Teil exportieren sie bis nach Italien, wo der Käse einem Hauptabnehmer, welcher die Verteilung übernimmt, abgeliefert wird.

Der Holzhof soll auch in Zukunft ein vielseitiger Betrieb bleiben. «Unsere grösste Herausforderung ist, Menschen zu finden, welche motiviert sind, auf einem Betrieb wie unserem mitzuarbeiten und in Kauf nehmen, dass die Arbeit etwas anspruchsvoller ist. Bei uns muss man immer alles im Auge behalten und vor allem Rücksicht aufeinander und die verschiedenen Betriebszweige nehmen. Sonst funktioniert es nicht», ist Otto Wartmann überzeugt.

Autor: Daniel Thür

Webseite: holzhof.ch