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Jeder Salat hat eine Geschichte

Gemüse, Obst, Eier, Fleisch – alles biologisch, frisch, von bester Qualität und mit der Geschichte einer engagierten Bauernfamilien verbunden. So lautet zusammengefasst das Erfolgsrezept von Anita und Michael Reichmuth im Kanton Schwyz in der Direktvermarktung. Plus eine grosse Prise Unternehmertum, um den Betrieb und das Angebot stetig neu auszurichten.

Orangen?! Wie kommen die in den schmucken Hofladen, in dem ich sonst nur saisonales, einheimisches Gemüse und Obst bekomme? Frisch vom Feld oder auf dem Hof verarbeitet und natürlich in bester Bioqualität? Wir sind bei Anita und Michael Reichmuth sowie ihren Kindern Ricarda, Flavian und Rafaela in Oberarth am Fuss der Rigi. Sie bewirtschaften hier den 20 Hektare grossen gemischten Biohof Fluofeld, unterstützt von Regina und Sepp, den Eltern von Michael sowie bis zu 15 Angestellten in den Sommermonaten. Die Spezialität von Familie Reichmuth und wichtigstes Standbein ist die Direktvermarktung. Angefangen hat das Ganze vor 25 Jahren. Ganz klein mit einem grösseren Hausgarten, erläutert Anita. Mit dem dort produzierten Gemüse eröffneten sie einen Marktstand und riefen so den bis heute bestehenden samstäglichen Wochenmarkt in Goldau ins Leben.

Direktvermarktung bringt Geld
Die Direktvermarktung wuchs und es kam ein Wochenmarkt in Brunnen am Dienstag und einer am Freitag in Einsiedeln dazu. Weil in Goldau und Einsiedeln im Winter Pause ist, bauten sie zusätzlich einen Hofladen auf dem eigenen Betrieb. Dieser ergänze das Angebot perfekt, denn auf dem Wochenmarkt habe man auch nur wenig Zeit für ein Schwätzchen mit den Kunden. Der von ausgebildetem Fachpersonal bediente Hofladen – man sieht’s – ist für Reichmuths die Visitenkarte: Professionell und qualitativ hochwertig. Mit der eigenen Direktvermarktung machen sie unterdessen die Hälfte des Umsatzes. 30 % erzielen sie mit dem Verkauf von hofeigenen Produkten an andere Direktvermarkter. Und die restlichen 20 % mit dem Verkauf an die beiden Grossverteiler. «Dank dem Grosshandel erreichen wir eine kritische Menge, welche uns hilft, den Anbau zu professionalisieren und eine hohe Qualität der Produkte zu erreichen», so Michael. Das grosse Geld verdienen sie damit nicht.

Qualität und Frische ziehen
Zufriedene Kunden sind unsere Motivation, das Motto des Betriebs kann man auf ihrer Internetseite lesen. Aber was macht die Kunden zufrieden? Die Antwort ist für Anita und Michael klar: «Das allerwichtigste ist Qualität und Frische.» Die Regionalität und ökologische Aspekte wie die Reduktion des Verpackungsmaterials sei ebenfalls vielen Kunden ein Anliegen. Zahlreich kommen sie mit wiederverwendbaren Stoffsäcken einkaufen. Nur was hat die Orange im Laden verloren? Wie alle Produkte bei Anita und Michael erzählt auch diese eine Geschichte. Eine in der Schweiz lebende Griechin wollte der Familie im finanziell gebeutelten Griechenland helfen, ihre Bio-Orangen in der Schweiz zu verkaufen. Und sie fragte die Reichmuths um Unterstützung. Michael, immer für eine neue Idee zu haben, sagte schnell zu und schon bald rollte das erste mit Orangen gefüllte Auto auf den Hof. Unterdessen war Michael schon mehrmals in Griechenland, um sich vor Ort selber ein Bild zu machen. Ich muss 100 % hinter den Produkten stehen können, die ich verkaufe. Die Orange mit ihrer Geschichte läuft ausgezeichnet.

Auf Vertrauen bauen
Am meisten schätzen es die Leute, wenn Michael selber am Marktstand steht: «Wenn ich, der das Gemüse selber gepflanzt, gepflegt und geerntet habe, es auch verkaufe, haben die Leute Vertrauen. Wir müssen nie etwas zu unserer Produktion erklären.» An jedem Markt ist deshalb ein Familienmitglied mit dabei. Die Kunden wohnen alle in der Region, darunter viel Stammkundschaft. Gemäss Anita sind es mehrheitlich Zugezogene und nicht die Alteingesessenen, die bei ihnen einkaufen. Erstaunlich sei zudem viele Junge und jungen Familien: «Es kommen nicht nur gut Betuchte. Es gibt auch solche, die andernorts Abstriche machen, um unser Gemüse, Obst, Eier oder verarbeitete Lebensmittel zu kaufen.» Wie geht es weiter auf dem Fluofeld? Nicht überraschend haben Michael und Anita verschiedene Pläne. Als erstes möchten sie ein Gewächshaus erstellen. Denn Sturm Burglinde hat ihre Folientunnel zerzaust. Ab 2019 sind sie jeweils am Dienstag und Samstag zusätzlich auf dem Wochenmarkt in Luzern anzutreffen. Und obendrauf spielt Michael mit dem Gedanken, in Zug einen Gourmet-Take-Away zu eröffnen. Die Geschichten gehen nicht aus bei Familie Reichmuth.

Autorin: Sandra Helfenstein

Webseite: fluofeld.ch