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Im Einsatz für die Artenvielfalt

Ob Flächen rund um Schulhäuser oder in neu gebauten Wohnquartieren – oft gewinnt eine einzige Pflanzenart schnell die Oberhand und die Artenvielfalt geht zurück. Die Betriebsgemeinschaft Sutter-Wiesner im Baselbiet setzt eine bunte tierische Truppe ein, um wieder mehr Biodiversität auf diese Flächen zu bringen.

Bis Ende Juni 2019 hat Joachim Wiesner noch Kühe gemolken wie so manch anderer Landwirt. Zusammen mit seiner Frau Renate belebten aber schon damals 20 Dorperschafe den Talackerhof in Tenniken BL. Diese Schafrasse eignet sich gut um Obstgärten zu pflegen oder Parzellen mit sehr starkem Graswachstum in den Griff zu bekommen. Schon bald war Joachim Wiesner von seinen Schafen derart begeistert, dass er sich nach einer Möglichkeit umhörte, um seine Schafe zu einem Hauptstandbein seines Betriebes zu machen. Er führt seinen elterlichen Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Renate bereits in fünfter Generation.

Und tatsächlich: Als er in der Kantine, in welcher seine Frau Renate mit einem Halbzeitpensum arbeitet, mit einem Herrn ins Gespräch kommt, erfährt er von dessen Naturpflege GmbH in Bubendorf. Ein Wink des Schicksals: Joachim Wiesner übernimmt die Beweidungsaufträge für die GmbH und stürzt sich mit viel Herzblut in dieses neue Projekt. Die Förderung der Biodiversität lag ihm schon lange ganz besonders am Herzen.

Schicksal als Wegweiser
Joachim Wiesner verkauft seine Kühe, bis auf drei, die ihm besonders am Herzen liegen. Im November starb ein langjähriger Freund von Joachim der ebenfalls einen Landwirtschaftsbetrieb führte. Damit seine Frau Lyliya Sutter diesen Betrieb einfacher führen kann, gründete Joachim und Renate mit Lyliya eine Betriebsgemeinschaft. Auf diesem Betrieb leben rund 18 Milchkühe sowie Jungvieh und Wiesners Montbéliard-Kühe. Es entsteht ein Betrieb mit zwei Standorten und einer Fläche von insgesamt 43 Hektaren. Der Betrieb verfügt über mehrere Standbeine wie Landschaftspflege, Direktverkauf, Milchwirtschaft und Alpakatrekkings.

Mittlerweile wird Joachim Wiesner durch Lyliya Sutter und einer Arbeitskraft unterstützt. Insbesondere im Sommer brauchen die Tiere, die für die Naturpflege im Einsatz sind, regelmässig Betreuung. Rasch merkt Joachim Wiesner, dass es besser wäre, wenn er verschiedene Tierarten und Rassen für verschiedene Zwecke einsetzen könnte. Denn jede Tierart oder auch Rasse hat ihr ganz eigenes Fressverhalten. Deshalb besteht Wiesners und Sutters Landschaftspflege-Truppe mittlerweile aus 30 Walliser Landschafen, fast 50 Dorperschafen, drei Skudden, 21 Ziegen – die meisten davon Stiefelgeissen sowie einige wenige Strahlenziegen – sieben Alpakas und neun Zebus.

Weiden für die Biodiversität

Eingesetzt werden die Tiere auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen meist im Auftrag von Gemeinden, Firmen, Privaten, der SBB oder zur Belebung von Wohnquartieren. «Idealerweise fressen die Tiere in möglichst kurzer Zeit möglichst viel von der Fläche ab. Das hat den stärksten Effekt in Sachen Biodiversität», sagt Joachim Wiesner. Dies könne zwei, drei Mal auf derselben Fläche wiederholt werden, wobei die Anzahl Tiere pro Fläche vorher genau berechnet werden müsse.

Und auch die Tierart oder Rasse muss vorgängig bestimmt werden. Geht es in erster Linie um die Bekämpfung von Verbuschung kommen zum Beispiel meist die Ziegen zum Einsatz. Sie fressen gerne Sträucher und Büsche ab und drängen diese damit zurück. Sie bieten gleichzeitig den Problempflanzen, auch Neophyten genannt, die Stirn. Auch die Walliser Landschafe machen vor diesen Gewächsen nicht Halt. Erst dann haben auch andere Pflanzen wieder eine Chance dort zu wachsen. Soll das Gelände geschont werden, kommen hingegen die Alpakas zum Zuge. Als Sohlengänger hinterlassen sie kaum Trittschäden. Geht es wiederum darum, grössere Flächen mit viel altem Gras zu beweiden, sind die Zebus dafür ideal.

Vom Rasenmäher zum Unterrichtsinhalt

Sind die Tiere auf dem Gelände von Schulhäusern zum Einsatz, nutzt Joachim Wiesner dies, um den dortigen Schülerinnen und Schüler Wissen über seine Tiere und die Wirkung ihres Einsatzes zu vermitteln. Joachim unterrichtet zusätzlich über Agroimage in Schulen ab der 6. Klasse. Dort geht es um nachhaltige Nahrungsmittelproduktion.

Der Betrieb von Lyliya Sutter ist schon seit Langem ein Biobetrieb. Nach dem Zusammenschluss zu einer Betriebsgemeinschaft haben sich auch Joachim und Renate Wiesner zu einer Umstellung auf Bio entschieden. Joachim und Renate Wiesner hoffen, dass eines Tages eines ihrer fünf Kinder den Hof übernehmen wird und damit in die sechste Generation führt. Und auch für Lyliya Sutter ist es ein Ziel, den Biobetrieb in Oberdorf eines Tages als voll funktionsfähigen Betrieb an eines ihrer drei Kinder weitergeben zu können, sofern eines von ihnen das möchte. Damit ist die Investition in die Biodiversität auch eine Investition in die Zukunft.

Ann Schärer

Betriebsspiegel

BewirtschafterJoachim und Renate Wiesner, Lyliya Sutter (Betriebsgemeinschaft)
OrtTenniken und Oberdorf BL
Fläche43 ha landwirtschaftliche Fläche
BetriebszweigeNaturpflege, Milchwirtschaft, Direktverkauf, Trekkings
Tiere16 Kühe, 78 Schafe, 21 Ziegen, 7 Alpakas, 9 Zebus, Legehennen, Masttruten

 Mehr Infos unter talackerhof.ch