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Eine Geschichte seit sechs Generationen

Ein hundertjähriger Familienbetrieb, dessen Name Saliciolo bereits in eine antike Karte von 1847 vorkam. Ein innovativer Bauernhof, der dank der Unterstützung einer grossen Familie mit Leidenschaft in die Zukunft blickt. Am 1. August-Brunch sind sie zum 23. Mal mit Begeisterung dabei.

Herzstück des Guts Saliciolo sind die 3 Bauten (Herrenhaus, Stall und Dependance) aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die damals einer Gräfin aus Como gehörten. Etwa 1842 ging das damals fast vollständig bewaldete Gut an die Familie Pedrazzini über, genauer gesagt an den Ururgrossvater Guglielmo. Als Erster betrieb der Grossvater, Ivanoé, auf dem Saliciolo Landwirtschaft: Er fing mit Tierzucht, Wein- und Gartenbau an. Vater Renzo hingegen besuchte als Erster eine Landwirtschaftsschule. Er zeigte Unternehmergeist und baute den Betrieb aus: Durch das Mieten von Feldern in der Magadino-Ebene vergrösserte er die Anbaufläche und steigerte die Erzeugung von Lebensmitteln. 1961 heiratete er Maria Pia Spruzzola, und aus ihrer Ehe gingen 7 Kinder hervor. «Unsere Mutter war schon immer die treibende Kraft, sie riss immer innovative und interessante Aktivitäten an und zog alle mit», bestätigen ihre Kinder. Zurzeit wird das Saliciolo von Enrico und seiner Frau Paola sowie Giacomo und seiner Frau Mirna geführt. Der Familienbetrieb stellt Käse her und verkauft ihn direkt im Hofladen «Baita» (einer Holzhütte), betreibt aber auch Weinbau, die Produktion von Futtermitteln und nicht zuletzt Agriturismo. Die 6. Generation der Pedrazzini auf dem Saliciolo, Samuele und Daniele, ist noch in Ausbildung. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass sie die immer schwierigere Führung eines Landwirtschaftbetriebs entschlossen fortsetzen werden. Es handelt sich um eine der letzten grünen Inseln in der Betonlandschaft im Raum Locarno.

Der Betrieb hat bereits sein 125-jähriges Bestehen gefeiert, und hoffentlich wird er noch viele Geburtstage feiern: «1995 haben wir einen neuen Stall gebaut, um die Milchproduktion zu erhöhen; 1996 kam die Käserei hinzu, teils weil meine Frau das Käsen nicht aufgeben wollte, teils weil die Marktpreise für Landwirtschaftserzeugnisse tendenziell sinken. Im Nachhinein erwies sich dies als Trumpf. Wir verarbeiten 80- bis 90-tausend kg Milch zu Frischprodukten. Unsere Hauptprodukte sind Halbfett-Käse, Robiole (sahniger Frischkäse), vier Arten von Büscion (Frischkäse), Joghurt, Butter, Ricotta und verschiedene Glacés», erklärt Enrico stolz. Die meisten Produkte werden direkt in der «Baita» verkauft oder im Agriturismo-Betrieb konsumiert, der Rest wird an verschiedene Läden geliefert oder auf dem Markt in Bellinzona verkauft. Seit 2016 sind die Frischprodukte auch für Personen verfügbar, die Laktose nicht vertragen; auch dies eine innovative und erfolgreiche Weichenstellung der Familie Pedrazzini in den letzten Jahren. Der junge Samuele (Sohn von Enrico und Paola) erlangt zurzeit das Diplom als Milchtechnologe mit verschiedenen Spezialisierungen, um die traditionelle Käsereitätigkeit fortzusetzen, die den Betrieb auszeichnet.
Zu den Landwirtschaftstätigkeiten gehört auch der Weinbau mit einer Fläche von ca. 3 Hektaren Merlot. Die gesamte Produktion geht an die Kellerei Matasci in Tenero, welche die Trauben zu Wein verarbeitet, der im Agriturismo konsumiert oder direkt auf dem Hof verkauft wird. Dem jungen Daniele (Sohn von Giacomo und Mirna), frisch in Weinbau diplomiert, kommt die Aufgabe zu, auch diesen äusserst wichtigen Sektor des Betriebs weiterhin zu pflegen.

Schliesslich ist der Agriturismo ein wesentlicher Nebenzweig des Betriebs, um den stets bescheidenen Ertrag zu erhöhen. Auf Wunsch werden Häppchen, Brunche, Mittag- und Abendessen für Gruppen mit einem Rahmenprogramm wie Führungen oder Mittelalterfeste angeboten.
Das neuste Angebot wurde im Juni 2017 eingeführt, das «Haus des Pferdes», ein Reitstall mit bis zu 20 Pferden, die in bequemen und modernen Boxen untergebracht werden (im Moment sind etwa 10 besetzt). Raum dafür wurde im alten Stall gefunden, der umgebaut wurde.

Schliesslich nimmt das Saliciolo schon seit 22 Jahren am «1. August-Brunch auf dem Bauernhof» teil: «Das erste Mal war es unsere Mutter Maria Pia, die mitmachen wollte, und da er ein so grosser Erfolg war, haben wir diese Tradition fortgeführt und perfektioniert. Wir haben auch alte Gebäude für den Restaurationsbetrieb umfunktioniert. Es gibt nichts Besseres als einen Brunch oder anderen Event, z. B. offene Käsereien, die Meseda (offene Agriturismi) usw., um unseren Betrieb und die Qualitätsprodukte bekannt zu machen und dabei die Struktur und die Organisation hinter den Kulissen zu zeigen», bestätigt Giacomo.

Autorin: Anita Tomaszewska

Webseite: saliciolo.ch