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Genuss im Tessin

Das Tessin ist die Sonnenstube der Schweiz, eine Region der Genüsse. Das mediterrane Klima auf der Alpensüdseite sorgt für prachtvolle Gärten, beste Weine und eine abwechslungsreiche Küche. Das Tessin ist das Tor zum Süden und besticht durch seinen Charme, dem italienischen Flair, Palmen an sauberen Stränden, liebliche Täler, romanische Kirchen und pittoreske Gassen, die sich auf belebte Piazze öffnen. Geniessen kann man hier auf verschiedensten Ebenen: Mal einen süffigen Merlot im Boccalino, mal einen edlen Wein in der Karaffe. Mal «Polenta e brasato» im Grotto, mal «Risotto à la Mode du Chef» im Gourmetlokal. Das Tessin macht es seinen Gästen einfach, den Alltag zu vergessen und den Moment zu leben. Eingebettet zwischen der Deutschschweiz und Italien, vereint es von beiden Seiten das Beste. Wenn man auf der sonnigen Seite der Schweiz einen Aperitivo trinkt, den Blick über malerische Steinfassaden schweifen lässt und dem Wind zuhört, wie er sich in den Kronen alter Kastanienbäume verfängt – ja, dann kümmert einen der Rest der Welt nur noch wenig. Man ist weit weg und geniesst nur noch – die poetischen Landschaften, die hervorragende Architektur und viel Stil.

 

Die Welt im Garten.

Er ist der Indiana Jones der Gärtner: Martin Russenberger kennt im Parkhotel Brenscino in Brissago zu fast jeder Pflanze eine abenteuerliche Geschichte. Vom verwachsenen Dschungel zur verwunschenen Oase. Unten im See liegen die Brissago Inseln mit dem berühmten botanischen Garten, einem der wichtigsten Ausflugsziele im Tessin. Sobald Martin Russenberger ins Erzählen kommt, hängt man ihm an den Lippen, sieht den australischen Baumfarn plötzlich in anderem Licht und steht ehrfürchtig vor der Andentanne, mit rund 140 Jahren vielleicht der älteste Exote am Lago Maggiore. Hotelgäste, welche ein echtes Abenteuer erleben möchten, können im botanischen Garten übernachten. Das Zelt, Schlafsäcke und Taschenlampen werden zur Verfügung gestellt. Geheimtipp: Den Sonnenaufgang nicht verpassen!

Der Tessiner Merlot

Der Merlot gehört zum Tessin wie der Brasato zur Polenta. 80 Prozent des Tessiner Weinbaus besteht aus Merlot. Genuss wird im Tessin großgeschrieben. Doch was wären die Tessiner Köstlichkeiten ohne ein Glas Merlot? Die Geschichte dieser Rebe ist eine Geschichte mit Happy End. Begann doch alles mit einer Katastrophe: Ende des 19.Jahrhunderts mussten die Tessiner Weinbauer hilflos mit ansehen, wie die Reblaus beinahe alle Weinstöcke der Region vernichtete. Wirtschaftlich fast am Ende, gaben die Tessiner aber nicht auf: Nach vielen gescheiterten Versuchen, eine widerstandsfähigere Rebsorte anzubauen, probierte man es schließlich 1906 mit der Merlot-Rebe aus Bordeaux. Diese passte sich dem Tessiner Klima hervorragend an. Heute, 100 Jahre später, ist der rubinrote, ausgeglichene Wein mit der eleganten Efeunote die Nummer eins unter den Tessiner Weinen.

Weitere Informationen und Ausflugstipps finden Sie unter MySwitzerland.com

Die Welt im Garten.
Der Tessiner Merlot

 

Die Berge rauf und runter
Esther Monaco ist vor allem ein Sprachgenie. Die deutsche Muttersprachlerin beherrscht neben Französisch, Englisch und Italienisch auch einige Dialekte des Kantons. Sie bewirtschaftet einen Landwirtschaftsbetrieb in der Bergregion von Gerra Gambarogno und stellt gemischten Alpkäse, Formaggelle, Butter, Ziger, Schweinefleisch, Ziegen- und Zickleinfleisch her.

Esther praktiziert noch die Viehsömmerung. Im Sommer geht sie auf die Alp Ruscada in der Gemeinde Cugnasco. Ihre Produktion ist vor allem auf Ziegenerzeugnisse ausgerichtet. «Diese sind sehr saisonabhängig, denn wir lassen die Produkte am Ende der Alpsaison trocknen und behalten sie so lange dort, wie es die Saison zulässt. Der Alpkäse ist von Ende August bis April des Folgejahrs erhältlich.»
«Zusammengenommen haben wir fünf, also mein Mann, meine Kinder und ich, über 100 Alpsaisons hinter uns: mein Mann Chris 40, ich 21, Tiziano 18, Nicola 17 und Simona 12. Ganz zu schweigen von den Saisons unserer Vorfahren. Wir stellen Käse und andere Produkte heute noch so her, wie es in unserer Region seit Jahrhunderten Tradition ist.»
Neben der Käseproduktion verarbeitet sie das Fleisch der ausgedienten Ziegen zu Cicitt, Ziegenfleischwürsten und Salsiz, einer luftgetrockneten Rohwurst. «Unsere hiesigen Produkte werden vor allem von Personen im ländlichen Raum geschätzt, die wissen, dass nicht alles zu jeder Jahreszeit verfügbar ist. Bei uns kann man immer vor Ort zuschauen, wie wir in den Bergen im Rhythmus der Natur – die nicht immer nur schön und idyllisch ist – arbeiten.»

Seit 2003 führt Esther den 1. August-Brunch durch. «Ein paar Mal habe ich ihn nicht organisiert, aber wenn, dann immer auf der Alp.» Zuerst fand er auf der Alp Mugaia oberhalb Sonogno statt, die nur in einer knapp dreistündigen Wanderung mit 700 m Höhenunterschied erreichbar ist, und nunmehr auf der Alp Ruscada. Diese kann zwar ebenfalls nur zu Fuss erreicht werden, doch ist der Weg weniger steil und nicht so beschwerlich. «Bei uns wird auch am Tag des Brunchs gezeigt, wie und wo wir produzieren, um einen Einblick in die Arbeit einer Alpfamilie zu geben. Der Fussmarsch zur Alp macht den Besuchern bewusst, was es bedeutet, dort zu leben und Lebensmittel zu produzieren. Tatsächlich kommen nur Leute zu uns, die gerne wandern.»
Und wie macht ihr das mit dem Brunch? «Die Logistik ist für uns nicht ganz einfach, da die Alp nur zu Fuss, mit der Seilbahn oder per Helikopter erreichbar ist. Neben unseren eigenen Erzeugnissen wie Käse oder Mortadella verwende ich hauptsächlich Tessiner Produkte, z. B. Polenta aus der Magadino-Ebene. Auch das Gemüse sowie die Eier und der Mascarpone, die ich für das Tiramisu verwende, kommen aus dem Tessin. Und der Zucker ist natürlich Schweizer Rübenzucker. Nur der Kaffee ist importiert. »

Ester Monaco, Azienda Al Pianasc, Gerra Gambarogno

 

Die Nera Verzasca Ziegen an der tibetischen Hängebrücke
In der Gegend von Fontanella, oberhalb der Sementina, unweit des Ponte Tibetano (tibeti-sche Hängebrücke), kann man in den ersten Monaten des Jahres leicht auf die Nera Verzasca Ziegen von Flaminia und Domenico Guidotti treffen. Nach dem morgendlichen Melken wei-den die Ziegen frei in dieser herrlichen Hügellandschaft und kehren anschliessend am frü-hen Nachmittag allein in den Stall zurück. Im Sommer gehen die Ziegen auf die Alp Bolla und Froda im Maggiatal. Mit ihrer Milch wird dort Alpkäse AOP hergestellt. Im Herbst, in der Tro-ckenzeit, weiden sie frei auf den Bergwiesen oberhalb der Sementina.

Domenico und Flaminia konzentrieren ihre Aktivität auf die Herstellung von Fleischproduk-ten. Es beginnt mit dem Zicklein, das – wie Flaminia öfters erklärt – bei der Geburt nicht weiss, dass Ostern ist, sondern zu dieser Zeit einfach «naturgemäss» verfügbar ist. Domenico und Flaminia bereiten unter anderem folgende Produkte zu: Cicitt, eine Wurstspezialität für den Grill; getrocknete Cicitt, eine in Schafsdarm abgefüllte Ziegensalametto-Masse; Capra in bogia, in Wein und Gewürzen mariniertes Ziegenfleisch am Knochen zum Sieden; luftge-trocknete Ziegenkeulen, eingesalzene, gewürzte und getrocknete Keulen, Ragout und Zie-genpastete.

Die dank Mundpropaganda bekannten Produkte von Domenico und Flaminia sind bei den Einwohnern der Region sehr beliebt. Verkauft werden sie auf einigen Dorfmärkten, aber nur zu bestimmten Zeiten des Jahres. Der Betrieb ist sehr klein und die Produktion begrenzt. An den Apéros, die sie von Zeit zu Zeit organisieren, werden die Ziegenprodukte zusammen mit Schweinswurstwaren, Alpkäse, Zwiebelkompott, Lavendelkonfitüre und Mischgemüse ange-boten. Und selbstverständlich ist alles hausgemacht.

Flaminia Guidotti, Azienda agricola GUIF, Sementina


Ein Leben im Rhythmus der Jahreszeiten
Marisa Martinelli Sauser bewirtschaftet zusammen mit ihrem Vater Fausto einen Landwirtschaftsbetrieb in der Bergzone in Campo Blenio. Sie hat vier Kinder. «Wir leben in einem Dorf, in dem auf jeden Einwohner drei Kühe kommen. Im Winter liefern wir Milch und im Sommer gehen wir auf die Alp. Gio, das jüngste meiner Kinder, ist 14 Jahre alt und sagt, dass er Landwirt werden wird, wenn er gross ist.» Marisa und Fausto stellen hauptsächlich Käseerzeugnisse her: Alpkäse, Schmelzkäse, Formaggelle, Formaggini, Butter und Ricotta. Aber das ist nicht alles.

Auf der Alp Bolla Carassina ziehen sie im Sommer neben 70 Kühen auch 20 Schweine auf, die mit Gras und Molke gemästet werden. Die meisten Schweine verkaufen sie und behalten nur drei für den Eigenverbrauch. «Die von uns hergestellten Luganighe (Tessiner Wurstspezialität) und Mortadella servieren wir beim Brunch zusammen mit den Käsen und Polenta.» Im Laufe des Jahrs verkaufen sie 90 % ihrer Produkte direkt an die ortsansässige Bevölkerung oder an Besucher, die durch das Carassinatal wandern.

Nach der Arbeit in der Käserei, die um halb sechs Uhr morgens beginnt und gegen elf endet, kocht Marisa für alle. «Im Sommer machen wir jeden Sonntag Polenta und wenn mich ein Gast begeistert fragt, ob es Polenta gibt, bin ich immer etwas überrascht.» Marisa bereitet seit 26 Jahren den Brunch zu. Auf die Frage nach dem Weshalb antwortet sie: «Ich mache es, weil ich gerne unter Menschen bin und ich dadurch den Besuchern unsere Alpwelt näher bringen kann.»

Marisa Martinelli Sauser, Alpe Bolla Carassina, Campo Blenio
www.bollacarassina.ch


In Zusammenarbeit mit den Schweizer Bäuerinnen und Landfrauen

Ester Monaco, Azienda Al Pianasc, Gerra Gambarogno
Flaminia Guidotti, Azienda agricola GUIF, Sementina
Marisa Martinelli Sauser, Alpe Bolla Carassina, Campo Blenio
Schweizer Bäuerinnen- und Landfrauenverband