Main Content

Geheimtipp für Familien

Essen, Musik und Tradition – das alles gibt es auf dem Hof der Familie Hofstetter im Appenzell. Zum zweiten Mal führen sie den Brunch auf ihrem Betrieb in Gais durch. Dieser ist vor allem für Familien ein echter Geheimtipp. Ein Maltisch, eine Strohburg oder Kälber streicheln – für die kleinen Gäste gibt es viel, um sie zu beschäftigen. Die Familie lebt die lokalen Traditionen: Zum Beispiel, wenn sie an die Viehschau geht und sie dafür in die traditionelle Tracht schlüpft.

Im Appenzell sind sie ja bekanntlich Geheimniskrämer. Stefan und Franziska Hofstetter gehören nicht zu dieser Spezies: Zum zweiten Mal laden sie dieses Jahr zum 1. August-Brunch ein. Ihre Gäste waren beim letzten Brunchbunt durchmischt, gross und klein. Für Familien ist ihr Angebot besonders attraktiv. Stefan baut eine Strohburg für das Fest, die vor allem die kleinsten Gäste begeistert. Auch ein Maltisch richten sie ein und auf dem Spielplatz direkt neben dem Haus war letztes Mal immer etwas los. Die Ziegen und Kälber stehen am Festtag bereit und lassen sich willig streicheln oder liebkosen. Für die älteren Gäste gibt es musikalische Unterhaltung, die extra für den Brunch organisiert wird. Auch Stefan präsentiert sich am Fest von seiner besten Seite und trägt die traditionelle Appenzeller-Tracht. «Das sind meine Wurzeln», sagt Stefan, dem Traditionen wichtig sind. Für das feine Brunchessen steht Franziska lange in der Backstube. Einen ganzen Tag backt sie Brot, Zopf und weitere Köstlichkeiten. Die Milchprodukte sind mit der eigenen Milch hergestellt. Der Käse kommt aus der Käserei im Dorf, dort liefern die Hofstetters ihre Milch ab. Im letzten Jahr führte die Familie den Brunch nicht durch, dafür sind sie umso motivierter für das Jahr 2019. Rund 130 Gäste erwartet die Familie. Dafür haben sie 19 fleissige Helferinnen und Helfer zur Stelle. Der Brunch ist mit einigem Aufwand und Energie verbunden. Die Hofstetters wollen es gut machen: «Zufriedene Gäste und ein schönes Fest sind uns wichtig». 


Neues Zuhause für die Kühe
Stefan übernahm den Hof von seinen Eltern. Die Milchwirtschaft ist seine grosse Leidenschaft. «Wir sind kein Bio-Betrieb», sagt er. «Das Tierwohl liegt uns aber dennoch sehr am Herzen, wir achten auf die Gesundheit unserer Kühe und eine hohe Qualität unserer Produkte». Den Tierarzt müssen sie nur selten rufen. 2018 hatte die Familie Hofstetter baulichen Hochbetrieb: Die 25 Milchkühe bekamen einen Freilaufstall. Das Ganze dauerte vier Monate und war für alle eine Herausforderung. Verwandte und Freunde legten Hand an und halfen nach bestem Wissen und Können mit. So war der Umbau schnell fertig und die Kühe konnten in ihr neues Zuhause einziehen. Nun können sich die Tiere im neuen Stall frei bewegen und zu jeder Jahreszeit nach draussen spazieren.


Traditionell zu Fuss
Im September zieht es die Familie Hofstetter an die örtliche Viehschau. Dafür putzen sie die Kühe und Geissen heraus. «Unsere Kühe lieben es, gewaschen zu werden», lacht Stefan. Die Anreise an die Viehschau erfolgt ganz traditionell zu Fuss. An der Spitze des Umzugs ist der Geissbueb, dann kommen die Geissen gefolgt vom Geissmeitli und dem Vorsenn. Dann sind die Schellenkühe dran, die stolz ihre Schellen tragen. Hinter ihnen die vier Sennen, die den Weg singend beschreiten. Den Schluss bildet die restliche Kuhherde, manchmal auch noch der Bauer mit dem Stier. Das ganze Spektakel sieht aus wie ein Alpaufzug. Natürlich tragen alle Beteiligten die traditionelle Tracht. Am Ziel angekommen, warten auch schon die anderen Bauern mit ihren Tieren. Nun stellt jeder seine Kühe vor und die Schönste wird zur Schönheitskönigin «Miss Gais» gewählt. Bis jetzt hat es die Familie Hofstetter noch nicht zur schönsten Kuh im Stall geschafft, aber in den vorderen Rängen konnten sie sich schon einen Platz ergattern. «Unsere Kühe sind Originalbraune», erzählt Franziska, was deren Chancen etwas verkleinert. Diese Kühe sind eine althergebrachte Rasse, die kleiner und fleischiger ist. Auch bei ihren Kühen legen die Hofstetters Wert auf Tradition, weshalb sie alle Hörner tragen.


Wanderland Appenzell
Viele Besucher verbinden den Brunch mit einem Ausflug, denn das Appenzell lockt mit viel landschaftlicher Schönheit. Zum Wandern bietet sich der «Hohe Hirschberg» an, der sich ganz in der Nähe des Hofes befindet. «Das ist ein ganz spezieller Ort mit einer wunderschönen Aussicht auf das ganze Appenzell», schwärmt Stefan.  Auch der Walderlebnisraum in Gais ist ein Besuch wert. Wer ein bisschen mehr Zeit hat, fährt in den Alpstein. Dort ist der Säntis das absolute Highlight. «Die Landschaft im Appenzell ist ganz besonders. Die zerstreuten Höfe und die hügelige Landschaft sind einfach herrlich», betonen die Einheimischen. Stefan verbindet viel mit dem Appenzell, dort ist er aufgewachsen, dort sind seine Wurzeln. Wer scharfe Augen hat, kann am Nationalfeiertag vom Hof aus ein Höhenfeuer bewundern. Eine weitere Tradition in Appenzell, die ganz und gar nicht geheim ist.