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Frohburg: ein Erlebnis für alle Sinne

Auf 642 Meter über Meer, dem höchsten Punkt in der thurgauischen Gemeinde Wilen-Gottshaus, produzieren Susann und Gert Vahle auf ihrem Betrieb Frohburg nach den Richtlinien von «Bio Suisse». Hier gibt es nicht nur ein beeindruckendes 360-Grad-Panorama, sondern eine reichhaltige Flora und Fauna, eine Schlaumacherei und ein Gaumenspektakel. Was sich dahinter verbirgt und wieso sich ein Ausflug auf die Frohburg lohnt - mehr dazu gleich. Aber nun von Beginn weg…

Aller Anfang ist schwer

Susann, gelernte Landwirtin und Maltherapeutin, und Gert, Finanzkontroller entschieden sich nach dem Tod von Susann’s Vater vor neun Jahren, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Susann spricht von einem schwierigen Start: «Als Spätzünder, beide über vierzig Jahre alt, übernahmen wir den Hof quasi mit nichts als einer alten Mistgabel». Mit viel Fleiss, Schweiss und Herzblut haben die beiden den Hof wieder zum Leben erweckt und von Grund auf alles neu aufgebaut: vom Gehegebau für die Hirschzucht bis zur Anpflanzung von Nussbäumen, von der Besenbeiz bis zur Lavendelproduktion.

Besonders Gert als Quereinsteiger musste viel lernen. Doch auch Susann entdeckte Neues über die biologische und nachhaltige Landwirtschaft und absolvierte gemeinsam mit ihrem Mann die Ausbildung zum Hirschwart.

Biodiversität – eine Investition in die Zukunft

Früher stand hier Quantität und nicht Qualität im Vordergrund. Dies ist nun anders, denn auf der Frohburg blüht und krabbelt es, wohin man auch schaut.

Susann und Gert war es von Anfang an wichtig die Biodiversität auf ihrem Hof zu fördern: sie spritzen nur natürlichen Brennnesselsud und arbeiten mit Studenten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zusammen. Biodiversität ist für sie eine Herzensangelegenheit, auch wenn es ein langer Prozess ist und Ertragseinbussen damit verbunden sind. Gemeinsam mit über 400 Bauernfamilien legen Sie im Rahmen des Projektes «Die Schweiz blüht» in diesem Jahr einen speziellen Blühstreifen an, angrenzend an das Ackerland ihres Nachbarn. Dadurch gehen 8 Aren Getreide verloren. Der Blühstreifen ist für Susann und Gert jedoch eine Investition in die Zukunft: die farbige Kultur gilt als Augenweide und Tummelplatz für vielerlei Getier.

Die 2 Hektaren Bienenweide mit über 20 Blumenarten und 200m lange Naturhecke mit über 15 Buscharten sind nicht nur Farbtupfer für die Landschaft, sondern ein Zuhause für zahlreiche Tierarten. Beim genauen Hinschauen sieht man in den Hecken alle 15m einen Stein- beziehungsweise Asthaufen als Unterschlupf für die Tiere. «Wir erhoffen uns damit beispielsweise Wiesel anzulocken, welche unsere Mäuseplage eindämmen», erzählt Susann. Das Ziel ist es ein natürliches Gleichgewicht zu erreichen. Zudem gibt es etwa 40 Vogelhäuschen in den Obstanlagen, den Nussbäumen und in all den Hecken. Und den Vögeln gefällt es: Bunt-, Grau- und Grünspecht – alle sind sie wieder zurückgekommen. In den rund 300 Lavendelstöcken tummeln sich zudem Schmetterlinge, Hummeln und andere Insekten. Neben der blumenreichen Bienenweide und den Weidegehegen werden auch Ackerkulturen wie Speisehafer, Mais, Winterweizen und Dinkel angepflanzt so wie auch Obst und Baumnüsse produziert. 

Frohburg
Susann & Gert Vahle
Lavendel
Biodiversität Frohburg


Gaumenspektakel

Bei einem Besuch auf der Frohburg gibt es kein Vorbeikommen am Hofladen mit den hofeigenen «Bio Suisse Knospe»-Produkten: erlesene Baumnüsse, feinstes Nusskernöl, schmackhaftes Fleisch vom Rind, Hirsch und Lamm. Seit neustem verarbeitet Susann die Samen ihrer rund 300 Lavendelstöcke zu Duftsäckchen, Lavendelöl und -wasser. Der kleine, aber feine Hofladen ist nur auf Voranmeldung offen. «Einkaufen bei uns ist ein Erlebnis für alle Sinne und mit einem Besuch bei unseren Tieren oder in der Besenbeiz verbunden», so Susann. Sie fügt an, dass ihre Kunden auf die Frohburg kommen, weil sie wissen und mit eigenen Augen sehen, dass es sich um hochwertige Produkte handelt. Der damit einhergehende Aufpreis wird gerne bezahlt und als fair empfunden.

 

Schlaumacherei

Der ehemalige Schweinestall ist heute eine «Schlaumacherei», wie ihn Susann und Gert nennen. In erster Linie gedacht fürs Projekt «Schule auf dem Bauernhof», finden hier 40 Personen Platz. Jedoch auch Firmen, Vereine oder privaten Gesellschaften buchen den Raum für Workshops, Meetings, Lesungen oder Seminare mit dem gewissen Etwas. Jeden Oktober wird eine «Hirschmetzgetä» durchgeführt.

Events wie Geburtstage, Konfirmation oder Klassenzusammenkünfte sind ein wichtiges Standbein der Frohburg und werden in Zukunft weiter ausgebaut. In der Besenbeiz gibt es Platz für eine kleinere Gruppe von 20 Gästen. Bei grösseren Anlässen wird das Aufzugstenn herausgeputzt. Zudem bietet der grosse Hofgarten und die Hofplätze ein gediegenes Ambiente für gemütliches Beisammensein.

Susann und Gert sind besonders stolz auf die Sauberkeit und Ordnung auf ihrem Hof und dass sie es geschafft haben, den Hof aus eigener Kraft zu dem zu machen, was er heute ist. Ihr grösstes Kompliment ist es, wenn ihre Kunden den Hof und deren Produkte loben, schätzen und wiederkommen. 


Laura Berchtold

Hirsche Frohburg

Betriebsspiegel

BewirtschafterSusann und Gert Vahle
OrtWilen-Gottshaus TG
Fläche15 ha landwirtschaftl. Nutzfläche; gesamt 18 ha
BetriebszweigeHirschzucht, Nussbäume (ca. 120), 3 ha Acker
TiereDammhirsche, Grauvieh, Schwarznasenschafe, Pferde, Hühner, Kaninchen

 Mehr Infos unter frohburg-wilen-gottshaus.ch