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Es summt und brummt bei Familie Nef

Etwas ausserhalb von Oetwil am See befindet sich das kleine Paradies für Schmetterlinge & Co – der Hof der Familie Nef. Nicht nur Rinder, Katzen und Ziegen haben hier ein Zuhause. Auch alles, was kriecht und fliegt ist herzlich Willkommen. Mit vielen Massnahmen schuf Familie Nef eine Biodiversitäts-Oase.

«Ich habe noch nie so viele Wiesel gesehen wie dieses Jahr», erzählt Petra Nef. Sie tollen auf dem Hof der Familie herum und bereiten den Spaziergängern viel Freude. Aber nicht nur Wiesel fühlen sich auf dem Betrieb wohl. Auch Elstern, Raben, Milane, haufenweise Spatzen und alles was krabbelt ist hier zu finden. «Plötzlich sehe ich wieder einen Schmetterling auf unserer Wiese, den ich bisher nur aus Büchern kannte», erzählt Petra erstaunt. Die Familie setzt sich seit Generationen für die Biodiversität ein und bietet vielen verschiedenen Tierarten ein Zuhause.

 

Wildbienen kommen mit der Post

«Unsere Wildbienen kommen mit der Post», lacht Petra. Der Postbote bringt das Bienenhaus, das in der Kirschanlage seinen Platz findet. Nach dem Öffnen der Klappe werden die Bienen nach draussen gelockt. Nun fliegen sie von Kirschbaum zu Kirschbaum und bestäuben die Blüten, damit es im Sommer saftige Kirschen gibt. Nach der Saison schliesst Hans Nef die Klappe am Wildbienenstock und schickt das Haus zurück an den Absender, wo die Larven ausgebrütet werden. Ein halbes Jahr später kommen die Bambusröhrchen mit den zu schlüpfenden Wildbienen wieder zurück auf den Betrieb und der Kreislauf beginnt von Neuem.

 

Auch im Wasser lebt es

Nicht nur Bienen leben auf dem Hof der Familie Nef. Auf 95 Hochstammbäumen sind viele Kleinstlebewesen zu Hause. «Die toten Bäume lassen wir jeweils stehen», erklärt Petra. «Diese sehen zwar nicht mehr so schön aus, aber sind ein wichtiger Lebensraum für viele Insekten. «Das kann auch schon zu verwunderten Spaziergängern führen», schmunzelt Petra. Aber nach einem kurzen Austausch mit der Bauernfamilie ist klar, der tote Baum tut seinen Zweck. Auch Ast- und Steinhaufen sind auf dem Betrieb anzutreffen. Im Sommer sonnen sich dort viele Eidechsen. Zwei kleine Weiher bieten Lebensraum im und um das Wasser. «Wir machen dort so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig», meint Petra. Die Weiher werden der Natur überlassen. Nur manchmal müsse man die zugewachsenen Steine befreien oder Neophyten (nicht einheimische Pflanzen) ausstechen. «Es ist spannend mitanzusehen, wie unterschiedlich die Artenvielfalt ist», erzählt Petra. Dass ein Weiher in der Morgensonne und der andere in der Abendsonne liegt, hat einen grossen Einfluss auf die Tiere. So hat es im Weiher mit der Abendsonne viel mehr Mulche und Frösche.

Weiher
Bienenhaus

Leidenschaft als Beruf

«Ich wollte schon immer auf dem Bauernhof leben», schwärmt Petra. Als Kind war sie regelmässig auf dem Betrieb ihrer Grosseltern zu Besuch. «Was es bedeutet einen Hof zu führen, weiss man als Kind noch nicht», meint sie. Damals stand vor allem das Ferienerlebnis im Vordergrund. So kannte und liebte sie die Schweizer Landwirtschaft schon von klein auf und machte schliesslich die Bäuerinnenschule. Dann kam es, wie es kommen musste –sie lernte Bauer Hans kennen und zog zu ihm auf den Betrieb in Oetwil am See. Dort lebt sie nun mit ihm und ihren beiden inzwischen erwachsenen Kindern. «Für sie war es eine grossartige Erfahrung, auf dem Bauernhof aufzuwachsen. Kommen sie von der Schule oder inzwischen von der Arbeit nach Hause, sind wir schon da». Die Familie immer unter einem Dach zu haben sei eines der wertvollsten Geschenke. 

 

Direkt vom Hof

Joghurt, Milch, Käse, Eier, Bauernschüblig von benachbarten Betrieben oder Kirschen und weitere Früchte aus Eigenproduktion – auf dem Hof der Familie Nef hat es ein breites Angebot an verschiedenen Köstlichkeiten. «Die Produkte, die wir produzieren, sichern unser Überleben». Direktvermarktung ist für die Familie sehr wichtig. Was Nefs produzieren, wird direkt auf dem Hof verkauft oder an Detailhändler in der Region geliefert. «Unser Hoflädeli24 ist ein Automat, den ich befüllen kann und mir auch eine SMS sendet, wenn etwas fehlt», erklärt Petra. So können Spaziergänger 24 Stunden am Tag auf dem Hof einkaufen. Der Renner auf dem Betrieb sind die Apfelringe. «Wenn Wandergruppen oder Familien mit Kindern vorbeigehen, kaufen sie unsere Apfelringe als gesunden Snack für zwischendurch.»

 

Wertschätzung für unsere Produkte

«Wertschätzung für unsere Lebensmittel ist uns sehr wichtig». Auch wenn es nur ein Apfel ist, sollte man diesen geniessen, denn es steckt viel Arbeit und Herzblut dahinter. Deshalb ist der Familie auch die Biodiversität auf dem Hof ein grosses Anliegen. «Jeder kann einen Teil zur Umwelt beitragen, indem man nachhaltig einkauft oder zum Beispiel den Wasserhahn nicht zu lange laufen lässt». Das sind die kleinen Dinge, die einen Teil zum grossen Ganzen beitragen. Wer keinen Garten oder Balkon hat, kann jederzeit einen Ausflug auf den Hof der Familie Nef in Oetwil am See unternehmen und Schmetterlinge, Bienen und andere Krabbeltiere beobachten. 

Jasmin Vultier

Petra und Hans Nef
Hof Familie Nef

Betriebsspiegel

Bewirtschafter Hans und Petra Nef
Ort Oetwil am See ZH
Fläche 25 ha
Betriebszweige Rinderaufzucht, Ackerbau, Obstbau, Direktvermarktung

 Mehr Infos unter nef-naturbuur.ch