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Eine Einladung zum Entdecken

So nah wie möglich bei den Menschen sein – mit dieser Lebensphilosophie lädt Bérangère Carron zu einer Entdeckungsreise auf dem Bauernhof ein. Sei es bei Messen, auf dem Wochenmarkt, bei Führungen oder einem liebevoll zubereiteten Brunch. Die dynamische Walliser Landwirtin und ihre „Ferme du bonheur“ gewinnen jedes Herz.

Besucht man die «Ferme du bonheur», den Bauernhof des Glücks, an der Seite der Walliserin Bérangère Carron, spürt man sogleich die Energie dieser Frau. Dutzende von lustig umherspringenden Ziegen ziehen zunächst unseren Blick an; sie sind in Charrat (zwischen Martigny und Sitten) am Fusse der imposanten Walliser Berge in einem Stall untergebracht. Mitten in dieser Aufregung schaut uns ein Lama ruhig an. Draussen sind in geringer Entfernung Hühner, Esel, Pferde und Gänse zu sehen. Eine Vielfalt von Tieren, die für diesen Bauernhof, der von Jung und Alt besucht wird, eine grosse Bereicherung ist.

Die Landwirtin begnügt sich nicht mit der Tierzucht, sie produziert und verkauft auch eigenen Käse aus Bio-Ziegenmilch, und zwar in der «Fromagerie de Châtaigner», auf der anderen Seite der Rhone, in Fully. Im Stall in Charrat hingegen werden die Brunche durchgeführt. «Bald werden wir einen zweiten Stock für die Lagerung des Futters bauen», erklärt die Walliserin, «dadurch müssen wir nicht jedes Mal Platz für die Brunch-Tische schaffen. Ich habe Lust, hier noch viele andere Dinge anzubieten. Warum nicht Theatervorstellungen oder Lesungen?»

So ist sie eben, Bérangère Carron: Sie hat immer eine Idee oder ein Projekt auf Lager. Ihrer überbordenden Energie hat sie es zu verdanken, dass sie Landwirtin wurde bzw. sich dazu umschulen liess. Sie erzählt: «So wie viele Jugendliche habe ich eine Lehre ausgewählt, weil ich etwas auswählen musste. Ich wurde Zahnarztassistentin, habe aber diesen Beruf nie gern ausgeübt. Als ich meinen Lebenspartner Christian traf, änderte sich alles. Ich war unglücklich und er riet mir aufzuhören. Als ich mit überlegte, was ich wirklich tun wollte, wurde mir klar: Das Einzige, was mich begeisterte, waren Tiere!»

Unterstützung aus der Bevölkerung
In der Zwischenzeit sind zwei Kinder zur Welt gekommen. Die Walliserin ist nun die erste Frau, die im Kanton Wallis als Mutter den Abschluss als Landwirtin EFZ schafft. Wie schon gesagt, kann sie nichts aufhalten. In zehn Jahren erlangt sie nach dem EFZ den Fachausweis, dann das Meisterdiplom. Ganz abgesehen von allen Hindernissen, die sie überwinden muss, um ihren eigenen Landwirtschaftsbetrieb zu gründen. Denn dieses liegt in der Nähe der Rhone und muss zwingend über ein Betongebäude verfügen, in dem die Tiere im Fall von Hochwasser geschützt sind.

Leider fehlt das Geld dazu. Bérangère Carron ist nahe daran, aufzugeben. Doch ein ihr wohlgesinnter Journalist rät ihr, einen Artikel in der Zeitung «Le Nouvelliste» zu publizieren, um den Lesern ihre Probleme zu schildern. Eine rettende Idee: Verschiedene Personen sind bereit, ihr mit Spenden und zinslosen Darlehen zu helfen. So kann sie schliesslich ihr Abenteuer fortsetzen und ein Gebäude bauen, in dem ihre geliebten Tiere im Trockenen bleiben.

Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist Gold wert. Um sich erkenntlich zu zeigen, unternimmt Bérangère alles Mögliche, um auf ihrem Bauernhof Einblick in Landwirtschaft, Natur und Tierhaltung zu geben. «Als wir dieses Gebäude erstellten, haben wir darauf geachtet, dass es für Behinderte oder ältere Menschen zugänglich ist. Und schauen Sie, dieser Bereich hier ist so gestaltet, dass die Kinder die Tiere möglichst gut sehen können.»

Saisonal und lokal
Manchmal gehen die Leute zum Bauernhof, manchmal kommt der Bauernhof zu den Leuten. Der Betrieb von Charrat ist vor allem an Messen stark präsent. «Da wir verschiedene Tiere haben, die gut zusammenleben, können wir Tierschauen präsentieren, die dem Publikum sehr gefallen.» Die Besucher der Messe «Passion Nature», die im Cerm in Martigny durchgeführt wird, konnten sich davon in den letzten zwei Jahren überzeugen.
Und Christian, ihr Lebenspartner, ist jeden Samstagmorgen mit ihrer Tochter Emeline am Markt in Vevey anzutreffen. Dort verkauft er Produkte vom Bauernhof, v.a. Bio-Ziegenkäse, aber auch solche von anderen Produzenten aus der Region, z.B. Trockenwürste, Aprikosennektar, Apfelsaft, Honig, Eier und Jogurt. «Die gleichen Lebensmittel bieten wir auch am Brunch an», präzisiert Bérangère Carron. «Sie sind immer saisonal und lokal. Wir arbeiten ausschliesslich mit Leuten zusammen, die wir kennen, kleine Familienbetriebe.» Ein Sortiment, das bald im Direktverkauf auf dem Landwirtschaftsbetrieb erhältlich sein könnte. Ein weiteres Projekt der unermüdlichen Walliser Bäuerin.


Autor: Loïc Delacour

Webseite: berangere.ch