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Ein Rebberg voller Erfahrungen

Eigentlich führen sie die Typischen Schweizer Hotels Krone in Thun, Hotel Schützen in Stef-fisburg und das Hotel Schönbühl in Hilterfingen. Doch dann retten die drei Hoteliers vom Thunersee einen Rebberg – und kommen auf die Welt.

Ein bisschen erstaunt war Erich Andrey schon über den Anruf. «Erich», sagte am anderen Ende der Leitung eine Stimme, «wir müssen einen Rebberg retten! Kannst du uns helfen?». Die Stimme gehörte Chris Rosser, Geschäftsführer im Hotel Schützen in Steffisburg am Thunersee. Man kannte sich von gemeinsamen Projekten und schätzte sich als Menschen. Der 66-jährige Andrey hatte seinen Vorzeigebetrieb in Ligerz am Bielersee kurz zuvor seinen Söhnen übergeben. Er half noch mit, verfügte aber plötzlich wieder über Zeit. «Da ich regelmässig in die Region Thunersee liefere, schaute ich mir den Rebberg mal an.» Und was er sah, gefiel ihm: Zwischen Gunten und Merligen, auf 31 Aren und von einer steilen Bergflanke geschützt, wölbt sich der kleine Rebberg gegen Süden hin dem Thunersee zu, Blauburgunder, Regent und Riesling-Sylvaner.

Noch besser als der Rebberg gefiel Andrey bloss noch die Geschichte der neuen Pächter, den drei Hoteliers. Sie alle führen typische Schweizer Betriebe und sind jung genug, um sich nicht nur als Konkurrenten zu sehen. An einer Degustation von Thunersee-Weinen hatte der Experte ihnen vom Rebberg Stampbach erzählt, für den ein neuer Pächter gesucht wird, was offenbar schwieriger sei als erwartet. Unter seiner Leitung begannen im Januar die Arbeiten. «Bis auf zwei Triebe mussten wir alles runterschneiden», erinnert sich Chris Rosser: «Für uns Laien war das unglaublich brutal; man hatte das Gefühl, man bringe den Rebstock um.» Im Prachtfrühling dann konnte man den Trieben fast schon beim Ausschlagen zusehen, so schnell wuchsen sie. Man kam fast nicht nach mit einschlaufen, um ihnen den Weg in die Höhe zu zeigen. «Es gab so viel zu tun, dass jeder der rund 100 Mitarbeitenden etwa dreimal pro Monat im Rebberg stand», erzählt Christopher Rosser. «Und wir bezahlten Lehrgeld: Wir Theoretiker dachten, wir könnten die Einsätze planen. Da haben wir die Rechnung ohne die Natur gemacht.»

So entstand der erste Stampbacher unter der Ägide der drei Hoteliers am Thunersee. Im Herbst wurden die Trauben gelesen und vinifiziert – den schmackhaften lokalen Wein, gibt es in den drei Hotels zu geniessen.

Mehr zu der Geschichte und zu den buchbaren Erlebnissen bei den Hotels sowie auf dem Stampbacher Rebberg gibt es unter MySwitzerland.com/typisch